Mittwoch, 28. Juli 2010

Tag 3: Dienstag. Suche nach Svenjarusalem

Dienstag
Ich wache sehr früh auf, die Luft steht und das Einzige, was auf Durchzug gestellt ist, ist mein Kopf. Es wehen die Gedanken durch ihn hindurch wie Autos auf einer wie auf einer Autobahn, deren Baustelle Svenja heißt, so, dass sie auf vierzig km/h herunterbremsen und hupen und sich fragen, wann es denn wieder im normalen Tempo weitergehen wird.

Ich frage mich, was für ein absurder Tag das gestern war. Es wäre doch nichts weiter als eine Lüge, mir selbst weis machen zu wollen, ich könnte jetzt so weitermachen, mich jeden Tag so derartig ablenken. Die ganze Sache bedarf einer Lösung. Einer Entwicklung.

Ein Werbejingle blendet sich in meinen Ohren ein.
"Glück im Spiel, Pech in der Liebe".
Ich kann es nicht fassen. Was ist mit mir los?
Diese düstere Wahrheit, nein, sagen wir eine düstere Prophezeihung, hängt über meinem Kopf wie ein Damoklesschwert. Nein. Kein Damoklesschwert. Das wäre die dramatische Übertreibung eines achtzehnjährigen Abiturienten mit Geschichte-Leistungskurs.
Es ist vielmehr ein tropfendes Nutellabrotmesser.
„Tropfendes Nutellabrotmesser“.
Ja. Ich grinse. Das ist der richtige Weg.

Ich sollte weniger nachdenken, weniger Trübsaalblasen.
Abundzu ruft mich meine Mutter an und nach wenigen Minuten kommt die gleiche Frage, ob sich denn schon eine dauerhafte Dame in mein Leben verirrt hätte.
"Verirrt!". Wie vorsichtig sie das inzwischen formuliert.
Ich erkläre ihr dann immer, dass die Zeiten sich geändert haben, sage Dinge wie „In der Disco herrscht Krieg“ oder „Das ist nicht mehr so wie früher.“
Wir haben jetzt alle Freiheiten und können damit nicht umgehen.

Aber ja. Es herrscht doch wirklich Krieg. Es schenkt dir keiner was. Wieso sollte ich dann hier rumsitzen und auf ein Geschenk warten? Ich sollte es angehen wie Ernst Röhm, der war auch nie da, wo die Kriegsführung ihn erwartet hat. Doofes Beispiel, moralisch gesehen, er war ja ein Nazi. Aber vielleicht ist Krieg auch zu krass formuliert.
Eher ist es ein Spiel. Nicht so chauvinistisch gemeint, dass die Frau der Preis ist. Nein, wir spielen alle darum, uns zu finden. Der Preis ist dann Glück.

Meine Mutter sagt am Telefon dann immer, dass es sich nicht lohnt, sich deswegen so sehr zu sorgen oder zu jammern, weil das Schicksal, das könne man nicht beeinflussen und alles kommt irgendwie auf einen zu.
Zu einem Spiel gehören immer Zwei. Richtig. Aber es ist statistisch erwiesen, dass die Chance im Lotto zu gewinnen höher ist, wenn man einen Lottoschein abgibt, als wenn man zuhause sitzt und sich denkt „Ich gewinne ja eh nicht“.

Willst du jemanden wiederfinden, gehe an den Anfang zurück.
Ich schnappe mir ein paar Pfandflaschen. Das ist Argument genug, um in den Martkauf zu gehen.
Fußmarsch. Zweiundzwanzigminuten durch die Morgensonne.

Es zieht sich ganz schön, in der Eile und mit meiner wilden Entschlusskraft im Nacken habe ich glatt vergessen, mir Musik einzutüten. Der Soundtrack zu diesem Moment sind die Vögel, die rumkrakeelen und Schulkinder auf dem Weg, die offenbar schwänzen und sich über die letzte Folge von Pokemon oder so unterhalten. Erinnert mich an den Witz „Deine Mudder wirft eine Tomate auf den Boden und schreit Los, Pickachu.“ Tragisch, dass ich diesen Witz überhaupt verstehe.

Ich denke an ihn und lache laut. Die Kinder drehen sich zu mir um.
Einer von ihnen, ein Junge, kommt auf mich zu. Er muss etwa zwölf sein. Er sieht an mir hoch und mit einer hellen, leicht rauen Stimme, sagt er „Spielen Sie auch Pokemon?“
Sie. Für diese Kinder bin ich ein Erwachsener, ein alter Mensch. Das ist faszinierend. Ich fühle mich selber nie als erwachsen. Ist man irgendwann soweit, dass man das von sich sagen kann? Wenn ich an erwachsene Menschen denke, hab ich ein Foto von Sir Michael Caine vor Augen. Der kann das bestimmt von sich behaupten. Ich würde ihn aber nicht fragen „Spielen Sie auch Pokemon?“. Was ist das überhaupt für eine Frage?

„Musst du nicht in die Schule?“, frage ich trocken.
„Müssen Sie nicht zur Arbeit?“, antwortet er. Touché. Sein kleines, rundliches, marmeladenverschmiertes Gesicht machte garnicht den Eindruck, als würde es zu so einer sponanten Reaktion fähig sein. Das kann ja nur diese hektische, grelle, japanische Zeichentrickwelt verursacht haben. Altklug, wenn man bedenkt, das selbst Heidi und die Biene Maja japanische Zeichentrickserien waren. Und bei He-Man gab es auch immer dick auf die Fresse.

Ich zeige meinen Studentenausweis und sage, ich käme von der Stadtverwaltung und solle alle Kinder einsammeln und ins Heim fahren, die nicht sofort in die Schule gehen, wenn ich es ihnen sage. Ich schaue ernst, während der kleine dicke Junge zu seinen Freunden rüber geht, sie alle ihre Köpfe konspirativ zusammenstecken und über den Ernst der Lage diskutieren. Ich bin der Ernst der Lage.
Nachdem die Gefährten eine Minute flüsternd zusammenstehen, kommt ihr pummeliger Redelsführer auf mich zu, nickt und sagt, dass sie sich entschuldigen möchten und dass sie jetzt ganz schnell in die Schule müssten und bitten, dass ich noch einmal eine Ausnahme machen.
Ich willige gnädig ein.

Schnell rennen sie mit ihren klobigen Tornistern los und ich gehe weiter.

Ein Mädchen, das offensichtlich die komplette Situation mitverfolgt hat, kann nicht innehalten und sagt laut „Du bist auch ein ganz Cooler, was?`“
„Bitte?“.
„Ja, die Kinder so zu verarschen. Du hast wohl früher nie blau gemacht.“
„Doch sicher, aber ich wäre nicht auf den Trick mit dem Studentenausweis reingefallen.“
„Aha. Ich finds nen bisschen arm.“
„Du hast auch keine Hobbies oder wieso kackst du mich jetzt blöd von der Seite an?“
„Ich wollt es nur mal sagen.“
„Du hättest ja den Kindern auch helfen können anstatt rumzustehen, oder? Was hab ich schon Schlimmes getan? Die gehen jetzt in die Schule und lernen was, da kann man doch kein Problem mit haben. Miss Correctness.“
„Ach weißte…“
„Ja, natürlich weiß ich! Oder was willst du mir erzählen?“
Ich fauche allmählich und spüre, wie mein Puls steigt, weil ich Lust kriege sie verbal so zusammenzufalten, dass ich sie in einen Einkaufswagen stecken kann, anstelle von einem Ein-Euro-Stück.
Aber sie wiegelt ab.
„Ja, Ja, ist ja ok.“
Und weg ist sie wieder.

Typisch. Rumstehen und sich das seelenruhig angucken und mir hinterher erzählen wollen, ich sei schlecht. Anstatt etwas zu unternehmen erst mal warten, ob es nicht einen Grund gibt, um ordentlich zu meckern.

Ich komme im Marktkauf an und es ist dort relativ beschaulich und leer. Wie gemütlich das doch ist, so früh am Tag schon etwas zutun. Ich fühle mich geradezu vital.
Nachdem ich den Automaten mit Flaschen gefüttert habe, gehe ich los und schlender durch die Regale, beginne zu flüstern „Miez, Miez. Wo ist die Svenja? Miez. Miez.“
Es hilft nicht wirklich, außer, dass ein Regaleinräumer in grüner Weste mich fragt, ob es mir denn gut ginge. Ich antworte inbrünstig, dass dies natürlich der Fall sei und ob es ihm denn auch gut ginge und dass es mir ja nicht so gut gehen würde, wenn ich so früh am Tag in einer grünen Weste Regale einräumen müsste und dass ich es bewundernswert finde, dass er trotzalledem noch den Kopf so frei hat, sich um seine Mitmenschen, seine Kunden zu kümmern.

Mein grüner Held am Morgen erweist sich als smart und antwortet grinsend
„Wir sind hier ja auch nicht im Lidl.“
„HaHa“, lache ich wie ein alter Mann, der sich mit seinen Rentnerkollegen zum Boules spielen auf dem Ascheplatz trifft und gerade erfährt, dass man besser schneller loslegen soll, da die anwesenden Herren ja so jung nicht mehr zusammen kämen.

Ich gehe weiter und in einer leichten Drehung fange ich noch ein, wie der Regalheld mir den Vogel zeigt.
„Ihnen auch noch einen schönen Vormittag“, rufe ich in meinen Rücken.
„Ebenso“ peitscht er wie aus einer Steinflitsche geschleudert zurück.

Irgendwann krieg ich hier Hausverbot, also sollte ich schnellstens Svenja finden.
Ich komme in der Gemüseabteilung an, aber sie ist nicht da.
Ich gehe auf und ab und auf und ab. Ein älterer Herr mit weißem Kittel, der mit einer Hubkarre einen Stapel Saftpakete von A nach B fährt bleibt stehen und erkundigt sich, ob ich etwas Bestimmtes suche.
„Svenja“, sag ich.
„Ehm, bitte?“ antwortet er.
Ich nicke, bemühe ein Grinsen, „Nein, ich warte auf eine Bekannte, wir wollten uns hier treffen.“
„Kann ich ihnen sonst noch irgendwie helfen?“
„Ich komme zurecht.“
„Wunderbar.“
„Wunderbar.“
Wir wollten uns hier treffen. Schön wäre es.
Aber nein. Sie kommt nicht. Es wäre auch zu einfach, denke ich mir.
Und verlasse den Supermarkt über den Serviceschalter und vergesse, meinen Pfandbon in Hartgeld umzuwandeln.

Ich biege vor dem Markt seitlich in die andere Straße, die nicht nach Hause führt, sondern in die Fußgängerzone. Ich könnte mir ein Eis gönnen, beschließ ich.
Ein Blick auf die Uhr. Zehn Uhr.
„Ok, dann doch kein Eis… Kaffee!“
Kaffee! Ja. Ich brauche für alles einen Anlass. Wieder hab ich einen gefunden.

Ich laufe vorbei an einigen Bäckereien. Ja, wie gut das morgens riecht, wenn da noch etwas Frisches aus dem Ofen kommt. Ich sollte wirklich öfter mal früh aufstehen.
Ich komme in der Fussgängerzone an und mein Schritt treibt mich schnurstracks auf eine Buchhandlung zu. Erstmal Zeit schinden und Regale durchgucken, so mein Plan.
Nachdem ich meine persönlichen Tiefpunkt, die Bestsellerliste, erreicht habe nehme ich mir eine aktuelle Spiegel-Ausgabe, bezahle mit Karte, überlege kurz, ob ich es noch als Geschenk an mich selbst einpacken lassen soll. Die Verkäuferin, die selber nicht besonderes belesen wirkt, dafür, dass sie in einer Buchhandelskette arbeitet, ist aber schon aufgrund meines Wunsches, mit Karte zu zahlen, so genervt von mir, dass ich ihr das Einpacken erspare... beziehungsweise, ich erspare ihr, mir diesen geringen Wunsch verwehren zu müssen.

Alleine da sitzen ohne etwas Lesestoff dabei zu haben ist nicht sehr erquickend, denn man kann sich so gut tarnen, während man die Menschen beobachtet, wenn man liest.
Im Café angekommen kann ich froh sein, denn es gibt wirklich mehr als genügend Menschen, die ich über meine Zeitschriftenkante hinweg observieren kann.

Besonders angetan bin ich von einer älteren Dame, drei Tische rechts von mir. Sie hat lockige, violett-weiße Haare, einen Leguan-Hals und sie trägt einen türkisen Plastiktrenchcoat. Ob ich der einzige bin, der sie bemerkt? Sie war, als sie jung war bestimmt voll die Stylerin. Eine Grande Dame, möchte ich meinen, wie sonst könnte man so selbstverständlich in so einem abgefuckten Outfit rumsitzen und so seriös nach rechts und links blicken, während man sich selbst etwas zuflüstert?
Vielleicht bin ich in einem Stanley Kubrick Film und habe es selber noch nicht gemerkt?
Unglaublich. Ich würde gerne zu ihr hingehen und ihr sagen, dass alles in Ordnung sei und sie die coolste, hippeste und lässigste ältere Dame sei, die ich kenne und dass es tragisch ist, dass Frauen wie Inge Meyel und Brigitte Mira immer schon von den Medien gebauchpinselt wurden während sie hier fernab der Kamera mit ihrem Stilbewusstsein gegen die dementierende und nagende Wirkung des Verblassens ankämpft

Eine Hand legt sich auf meinen Tisch. Ich sortiere meine Gedanken, will gerade zur Bestellung ausholen, da spricht es
„Hello, Torben!“
Überrascht springt mein Blick auf. Sie ist es. Svenja.
„Hey, DU!“, patzt es aus mir heraus.
„Na, was machst du hier?“
„Setz dich, dann erzähl ich es dir.“
Sie setzt sich.
„Von hinten oder von vorne, die Geschichte?“
„Oha, eine Geschichte… wie du meinst.“
„Ich hab mir heute morgen einfach gedacht, dass es witzig wäre, wenn ich in die Gemüseabteilung ginge und du auch da wärst.“
„Oh.“
„Ja, aber du bist nicht da gewesen. Und weil es so schön ist draußen, dachte ich, ich gehe einen Kaffee trinken. Ich erzähle davon, wie ich versuchte, sie mit meinen Mizemiezlockrufen anzulocken, aber nur ein Marktkaufmitarbeiter meinem Ruf folge leistete.
„Das ist irgendwie… süß“
„Ja, aber verrat ess nicht weiter.“
Sie legt ihren Finger vor ihre Lippen und macht ein „Pscht“.
„Trinken sie einen Kaffee mit mir, Mad…moiselle?“
„Aber con grande plesoro“
Der Kellner findet auch erbarmen und nimmt unsere Bestellung entgegen.
„Ich bezahle dann direkt, wir wollen gleich vielleicht noch weiter.“
„Natürlich“, sagt er, als hätte er noch nie etwas anderes erlebt.
„Getrennt oder…“
„Zusammen“, sage ich, ehe Svenja darauf auch nur reagieren kann und lege es passend aus.
„Danke...“.
„Ach, du hast die Muffins bezahlt, alles gleicht sich wieder aus“ zwinker ich ihr zu, auch wenn das mit den Muffins nicht stimmt, aber darum geht es auch nicht. Es geht nicht immer darum, ob man sich als der Stärkere oder Bessere auszeichnen will, es ist ein Beweis von Zuneigung.

„Und warst du sehr traurig, dass ich nicht da war?“
„Ja, ich habe auch etwas geweint.“
„Oah! Wirklich?“
„Ja, aber dann kam ein Mitarbeiter und hat mich getröstet.“
„Das ist ja lieb.“
„Aber beim nächsten Mal bist besser du wieder da“.
„Ich verspreche es. Und, hast du heute sonst noch etwas erlebt?“
„Ja, ich habe Kinder vor der Verdummung gerettet und ihnen verdeutlicht, dass man mit einer Hochschulbildung klar im Vorteil ist.“
„Oho, der feine Herr. Wie denn das?“
„Ich habe sie dazu gebracht, zur Schule zu gehen. Durch pure geistige Überlegenheit.“
Ich zeige auf meine Stirn. „Da muss man’s haben!“
„Und der Altersunterschied hat da natürlich überhaupt keine Rolle gespielt, nicht wahr?“.
Sie lacht. Süß.
„NEEEIN, natürlich nicht. Das waren schon sehr gerissene kleine Kinder. Alter, isch schwör.“

Wir unterhalten uns wieder ausgiebig über ihren gestrigen Tag und über ihren Wunsch, auszuziehen und darüber, wie nervig sie ihre Mitbewohnerinnen findet. Ich erzähle ihr von meinem Montag, dem Spieleabend und dass ich zum allerersten Mal beim Siedlern gewonnen habe. Sie mag Siedlern und ich verschweige, dass ich es nicht mag. Die Passage um Martha wird auch um einige Details beschnitten.

„Du, morgen… hast du da was vor?“, fragt sie mich irgendwann, steht auf und blickt auf ihre Uhr. Sie muss wohl los.
„Morgen?...“ sage ich langsam und gebe vor, zu grübeln, „…wieso? Was ist denn da?“
„Ich bin alleine zuhause und vielleicht kann man ja später noch rausgehen. Tanzen.“
„Klingt nicht schlecht.“
„Du kannst ja vorbeikommen, wann du möchtest.“
Wird sie denn noch andere Gäste da haben?`
Wird er da sein? Wir haben garnicht darüber gesprochen. Sollte ich das? Gibt es etwas zu klären? Sollte man es einfach hinnehmen?
„Wann ist es dir recht? Sag mal eine Ordnungszahl?“
„Von mir aus auch den ganzen Tag, hehe. Um sieben?“
Sieben. Das ist viel Zeit, bis es dann mit Tanzen weiter geht.
„Dann haben wir genügend Zeit und müssen nicht gleich weiterhetzen. Ich habe auch Vodka da, du könntest dann vielleicht etwas Saft mitbringen? Ist das ok?“
„Hmm. Vodka. Ja, auch das ist ok.“
Das läuft doch schon wieder sehr glatt. Und doch, es gibt doch eine Kante an diesem Tisch, sie heißt Tom. Was sollte ich tun?
Hmm. Es klingelt in meinem Kopf. Es ist meine Mutter. Ich sage ihr, dass Krieg in der Disco herrscht. Naja. Krieg ist zu krass ausgedrückt. Das ist ein Spiel. Und es schenkt dir keiner was. Und wenn du im Lotto gewinnen willst, musst du vorher zur Filliale.
„Ok, abgemacht.“
„Prima“, sagt sie und schreibt mir ihre Nummer auf ein Stück Papier.
Ich grinse. „Wie Sonntag“, sage ich.
„Der Spruch, der mit dem Gorilla, das war nicht so nett. Weißt du, es ist nicht so…“
„ ..Nicht so, wie ich denke?“
„Ja…“
„...Naja, geht es hier um uns, oder um ihn?“ Keine Ahnung, wo dieser Spruch wieder den Weg auf meine Zunge hergefunden hat. Manchmal scheine ich eine Suffleuse zu haben, wie bei Amélie.
„Ja, genau…“
Ich bin nicht sicher, ob wir das alles so unausgesprochen lassen sollten. Aber wer weiß, was sie da morgen plant. Meine Gedanken werden schmutzig.
Scheiß auf Tom, zumindest für den Moment. Es ist Sommer.
„Dann bis morgen, du musst mir noch deine Adresse sagen“
„Ach stimmt.“
Sie kritzelt mir die Adresse auf das Zettelchen unter ihre Handynummer.
„Und melde dich, wenn noch etwas ist“, zögert sie hervor.
„Werde ich nicht. Ich werde da sein.“
„Ich auch. Du, ich muss jetzt leider los. Ich freu mich auf dich, Torben.“ Sie gibt mir einen Kuss auf die Wange, dreht sich und schlendert ist die Mittagssonne.
„Ja…“, sage ich und muss lächeln. Es ist Sommer.
Das Spielbrett ist aufgestellt. Jetzt müssen sich die Figuren bewegen.

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